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Warum ich als Agile Master jetzt verstehen will, was KI kann

6 Min. Lesezeit

Warum ich als Agile Master jetzt verstehen will, was KI kann

Vor Kurzem sagte ich noch: KI hat meine Arbeit als Agile Master vielleicht um 20 % verbessert. Ich verwendete ChatGPT, um Texte verfassen zu lassen, Dokumentationen oder E-Mails zu schreiben. Manchmal auch für die Generierung von Ideen. Aber das war‘s.

In meinem Buchclub, in dem ich als Teilnehmerin literarische Werke lese und diskutiere, hilft uns inzwischen ganz selbstverständlich ein Chatbot. Die Leiterin unseres remote Buchclubs hat sich richtig eingefuchst: in ChatGPT, Codex und wer weiß was noch. Da wurde mir klar, wie weit ich mit meinem Wissen hinterherhing. Wenn schon unser Hobby von KI profitiert, dann ist in meiner Arbeit deutlich mehr drin als Texte und E-Mails!

Also habe ich mir eine ganze Reihe von YouTube-Videos angeschaut, um zu verstehen, was KI mittlerweile wirklich kann. Zuerst sah ich ein Video darüber, wie KI ein Second Brain strukturieren und verwalten kann, und dass diese Notizensammlung auch die Grundlage der Zusammenarbeit mit KI sein kann. Ich kann steuern, was die KI über mich weiß und welche Informationen sie verarbeiten soll. Ich könnte beispielsweise nach Ideen für neue Blogartikel fragen, wenn ich über die Zeit einige Notizen gesammelt habe, ohne selbst stundenlang alte Notizen zu durchforsten.

Dann wagte ich mich an erste Automatisierungen heran. Mein Familien-Essensplan inklusive Einkaufsliste wird nun automatisch am Einkaufstag ausgegeben. Genau nach meinen Vorgaben, und weil wir in der Familie unterschiedliche Vorlieben haben, werden auch die berücksichtigt. Das spart mir jede Woche 30 bis 60 Minuten.

Dann auf der Arbeit: Früher analysierte ich die Team-KPIs händisch in Excel. Für die Analyse und die Grafiken gingen jede Woche zwei Stunden drauf. Ich habe der KI die Abläufe einmal als feste Anleitung hinterlegt, einen sogenannten Skill. Seitdem ist alles nach wenigen Minuten erledigt.

Meine 20 % von damals waren also deutlich zu tief gegriffen.

Und je mehr ich gesehen und ausprobiert habe, desto überzeugter bin ich: Wir alle, und vor allem Agile Coaches und Scrum Master, die mit Tech-Teams arbeiten, sollten verstehen, was KI heute leisten kann und wie wir mit ihr zusammenarbeiten. Der Grund dafür: Die Arbeit der Entwickler:innen verändert sich gerade, und das betrifft unsere Rolle unmittelbar.

Was sich bei den Entwickler:innen gerade verändert

Gregor Ojstersek beschreibt es in seinem Newsletter Engineering Leadership so:

Ehrlich gesagt: Für mich ist das erst mal nichts komplett Neues. Engpässe erkennen und beseitigen, ständig verbessern: Das ist ziemlich genau das, was wir in agilen Teams ohnehin versuchen. Was sich vermutlich ändert, ist, wo die Engpässe künftig liegen. Wenn Entwicklung und Testing dank KI schneller werden, finden wir die Bottlenecks vielleicht an einer anderen Stelle im Prozess.

Was die tatsächlichen Effekte der KI-Automatisierung auf unsere Zusammenarbeit sind, können wir heute noch nicht absehen. Für mich fühlt sich das eher an, als würden wir in eine Glaskugel schauen. Genau deshalb möchte ich stetig beobachten, wie KI unsere Arbeit tatsächlich verändert, und was wir brauchen, um dabei besser zu werden. Sich an veränderte Umstände anzupassen und dabei ständig zu lernen, ist ein Kernprinzip agiler Arbeit. Warum ich Agilität in erster Linie als Haltung verstehe und erst danach als Methode, habe ich in Agilität ist eine Haltung beschrieben.

An anderer Stelle schreibt Ojstersek:

Wenn das stimmt, und vieles spricht dafür, dann verändert sich die Rolle der Entwickler:innen bereits heute. Und wenn sich diese Rolle verändert, verändert sich auch das, was wir als Agile Master tun sollten, um sie dabei gut zu begleiten.

Was das für uns als Agile Master bedeutet

Ehrlich gesagt habe ich hier mehr Fragen als fertige Antworten.

Wie coachen wir Entwickler:innen, deren Alltag sich gerade grundlegend verändert? Und was macht es mit der Teamdynamik, wenn ein Teil des Teams schon „KI-nativ“ arbeitet und ein anderer Teil noch zögert oder skeptisch ist? Ich denke: In einem Team, das gut zusammenarbeitet, werden diese Fragen zu diskutieren sein. In einem Team, das ohnehin mit Konflikten zu kämpfen hat, können diese neuen Unterschiede das Feuer weiter anfachen.

Wenn Entwickler:innen als Manager:innen von KI-Agents arbeiten, verändert sich ihr Arbeitsalltag: Er zerfällt in viele kleine Stücke, mit ständigen Kontextwechseln. Ausführlicher habe ich das in Arbeit mit KI - häufigere Kontext-Wechsel beschrieben. Unsere Aufgabe als Agile Coaches könnte darin bestehen, die Entwickler:innen zu beraten, wie sie mit diesen Wechseln und dem gefühlten Zeitdruck umgehen.

Und wir können eine Zeit lang mit der KI-Brille auf unseren eigenen Arbeitsalltag schauen. Wo können wir das Team entlasten? Sei es durch die Automatisierung der Folien fürs Review oder anderer wiederkehrender Aufgaben wie dem Veröffentlichen der Release-Notes.

Durch KI ist vieles im Wandel. Unser Arbeitsalltag verändert sich. Die Rollen im Team verändern sich. Das braucht noch Zeit und genaues Beobachten, bevor wir im Team wirklich verstehen, was da gerade passiert.

Was ich als Nächstes tue

Ich lade dich zu etwas ein, das ich mir selbst gerade vornehme: eine Beobachtungsaufgabe für die nächsten Wochen.

Schau bewusst hin, wie sich deine eigene Arbeit und die deiner Entwickler:innen durch KI verändert. Leg dir dabei ruhig testweise die KI-Brille auf: Welche deiner eigenen Arbeiten lassen sich durch KI schon jetzt automatisieren? Bei welchen bist du als Mensch weiterhin unersetzbar? Erstmal nur beobachten!

Und wenn du magst: Schreib mir, was dir dabei auffällt. Ich sammle gerade genau solche Beobachtungen.